Chancen und Risiken der mobilen Technologien

Es diskutierten Sabine Stampfel, Anne Sauer, Nadia Kutscher, Andrea Kallweit, Johnny Haeusler und Moderatorin Andrea Grießmann (v.l.n.r.). Foto: Gerd Metzner

Es diskutierten Sabine Stampfel, Anne Sauer, Nadia Kutscher, Andrea Kallweit, Johnny Haeusler und Moderatorin Andrea Grießmann (v.l.n.r.). Foto: Gerd Metzner

Wann sollten Kinder an mobile Technologien herangefĂŒhrt werden? Wie gehen sie mit den Medien um? Und was sollten Eltern dabei beachten?

Auf der ersten Podiumsdiskussion am zweiten Konferenztag diskutierten Johnny Haeusler, Betreiber des Blogs Spreeblick und Co-Autor des Buches „NetzgemĂŒse“, die Journalistin und MedienpĂ€dagogin Andrea Kallweit vom Portal Jugendschutz.net, Prof. Dr. Nadia Kutscher, Professorin fĂŒr Soziale Arbeit und Ethik an der UniversitĂ€t Vechta, die MedienpĂ€dagogin und Spieleentwicklerin Anne Sauer von der outermedia GmbH und Sabine Stampfel, Redaktionsleiterin des „Kindernetz“ des SWR. Moderiert wurde die Runde von der Journalistin Andrea Grießmann.

Erwachsene seien oft hilflos im Umgang mit Kindermedien, erklĂ€rte Johnny Haeusler, zu Beginn. FĂŒr Kinder, die jetzt groß werden, sei das Internet eine SelbstverstĂ€ndlichkeit, ein „Teil der Welt“. Erwachsene seien erst spĂ€ter damit in BerĂŒhrung gekommen, meist als Arbeitswerkzeug. „Eltern hatten dieses kindliche Rumspielen nicht, deswegen fehlt ihnen mitunter die Empathie“.

Den Blick auf die Wirklichkeit der Kinder lenkte Kutscher. Die Frage des Mediums sei nicht die bedeutendste, vielmehr mĂŒsse der familiĂ€re Alltag in den Mittelpunkt der Diskussion gerĂŒckt werden, sagte sie.

Mediennutzung und Einstieg

Stampfel, die seit Jahren das „Kindernetz“ des SWR betreut, Ă€ußerste sich zur Nutzung mobiler Technologien. Demnach nutzen ein Viertel bis ein Drittel der Kinder ihr Angebot inzwischen mobil. Besonders lobend hob sie die eingebetteten Videos hervor. „Die Kinder bestimmen selbst, wie oft sie etwas sehen wollen. Das ist besonders kindgerecht, weil die Wiederholung typisch fĂŒr das Lernverhalten von Kindern ist.“

Auf die Frage, wann Kinder an Medien herangefĂŒhrt werden sollten, entgegnete Sauer, das könne man nicht verallgemeinern. Sie sehe immer zwei Perspektiven: die der Entwicklerin, die Lernspieler fĂŒr 10- bis 14- JĂ€hrigen entwickelt, und die der PĂ€dagogin, die mit Kindern und Jugendlichen Spiele testet. „Kinder werden oft unterschĂ€tzt. Sie können kreativ und kritisch mit mobilen Medien umgehen“, sagte sie. Erwachsene sollten Kinder im Vorschulalter an mobile Medien heranfĂŒhren, da sie erst ab diesem Alter auch bewusst Medien konsumieren könnten.

Kallweit hingegen plĂ€dierte dafĂŒr, auch vor dem Lesealter gute Angebote fĂŒr Kinder zu schaffen. Die, die es bereits gibt, seien noch nicht mobiltauglich. „Wir mĂŒssen schnell nachziehen, sonst ĂŒbernimmt die Wirtschaft“.

Datensicherheit

Kutscher verwies darauf, dass es durchaus problematisch sei, dass Anbieter wie Facebook und WhatsApp heute Monopolanbieter seien. „Es sind Angebote mit problematischen Nutzungsbedingungen. Dadurch taucht eine ganz andere Verantwortungsfrage auf.“

Auch Haeusler plĂ€dierte dafĂŒr, dass Thema Datensicherheit bei Kindern hĂ€ufiger zu diskutieren, auch auf Konferenzen. „Wir haben uns im Alter von 25 oder 30 digital offen gelegt, Kinder tun das heute bereits im jĂŒngsten Alter“. Haeusler verwies vermehrt auf die Notwendigkeit, die Kinder und Jugendlichen an der Diskussion zu beteiligen, ihnen ein Forum zu schaffen.

Sind Smartphones eine besondere Gefahrenquelle? Nein, meinte Haeusler und verwies auf die Kindersicherung im Kindle, i-phone und Android. „Smartphones sind fĂŒr Eltern besser einzustellen, als der klassische Computer“.

Jugendschutz

„Kleine Kinder haben auch Angst vor dem Internet und erwarten, geschĂŒtzt zu werden“, sagte Kallweit. Haeusler verwies daraufhin auf die Bedeutung des gemeinsamen Medienkonsums von Eltern und Kindern. Kinder kĂ€men so oder so mit Grausamkeiten in BerĂŒhrung. Wichtig sei, dass sie sich an die Eltern wenden könnten, um darĂŒber zu reden. Und auch Stampfel richtete die Aufmerksamkeit erneut auf das familiĂ€re Zusammensein. Die Frage, welches Medium genutzt wird, sei zweitrangig.

„Oftmals werden Generationenthemen an den Medien festgemacht“, sagte auch Kutscher. PhĂ€nomene wie Mobbing etwa habe es aber auch frĂŒher unter Kindern gegeben, es habe jetzt nur eine grĂ¶ĂŸere mediale Öffentlichkeit. „ Die Entwicklung ist nicht abhĂ€ngig von den Medien, sondern sie geschieht mit den Medien“

Nutzung

Abschließend warf die Moderatorin Grießmann die Frage auf, ob Kinder „allein“ seien, wenn sie mobile Technologien nutzen. „Nein“, entgegnete Kutscher. Es kĂ€me nur selten zu einer „Vereinsamung vor dem Computer“. Sie verwies auf die KIM-Studie, der zufolge Freunde fĂŒr die befragten Kinder das wichtigste seien. „Medien ersetzen nicht das soziale Leben, sondern bereichern es.“ Auch Kallweit stimmte zu: „Die digitale Welt und die reelle Welt wachsen zusammen“.

FĂŒr Schmunzeln sorgte Andrea Kallweit mit einem Zitat ihres Sohnes, der gesagt habe: „Ins reale Leben geht nur, wer im Internet keine Freunde findet.“ Aber beschreibt das nun eine Chance oder ein Risiko der mobilen Technologien?